
Wie nutzen wir Künstliche Intelligenz verantwortungsvoll? Diese Frage stand im Zentrum unseres Diversity Breakfasts am 25. Juni 2026. Gemeinsam mit unseren Teilnehmenden diskutierten wir, welche Chancen KI für Organisationen eröffnet und wo klare Grenzen, Verantwortung und menschliche Aufsicht notwendig bleiben.
Bereits die Anfangsmoderation von Sarah Riedenbauer (Diversity Think Tank) zeigte: Kaum eine Woche vergeht, in der es keine neuen Schlagzeilen zu KI gibt. Neue Studien, polarisierende Aussagen und technologische Entwicklungen machen deutlich, dass KI längst ein Thema ist, das unseren Arbeitsalltag prägt.
ETHIK IM KONTEXT VON KÜNSTLICHER INTELLIGENZ
Der Impuls von Monika Zahnt vom Diversity Think Tank rückte die Frage in den Mittelpunkt, wo Verantwortung im Umgang mit Künstlicher Intelligenz liegt. Sie zeigte, wie Ethik und KI zusammenhängen und warum diese Auseinandersetzung für Organisationen zentral ist.
Auch die Teilnehmenden wurden von Beginn an eingebunden. Sie reflektierten, wo sie bereits mit KI in Berührung gekommen sind, vielleicht auch unbemerkt. Die Antworten machten deutlich: KI ist längst im Alltag angekommen. Viele Prozesse können mithilfe von KI-Modellen vereinfacht, beschleunigt und effizienter gestaltet werden.

Gleichzeitig wurde klar, dass nicht alle Entscheidungen an KI abgegeben werden sollten. Besonders dort, wo über Menschen, Chancen, Gesundheit, Karrieren, Ressourcen oder rechtliche Fragen entschieden wird, braucht es menschliche Verantwortung.

Genau hier setzt Technologieethik an. Sie beschäftigt sich mit der Frage, wie KI so entwickelt und genutzt werden kann, dass sie Menschen nicht schadet, Grundrechte achtet und verantwortungsvolle Entscheidungen unterstützt. Im Zentrum standen dabei Fairness, Transparenz und Verantwortung: Fairness, um systematische Benachteiligung zu vermeiden. Transparenz, damit Ergebnisse nachvollziehbar bleiben. Verantwortung, damit klar ist, wer für Einsatz, Kontrolle, Folgen und Korrekturen zuständig ist.
BIAS UND FAIRNESS: WO LIEGEN DIE RISIKEN?
Ein weiterer Fokus des Fachinputs lag auf den Risiken durch verzerrte Informationen. Denn KI-Systeme sind nicht neutral. Sie basieren auf Daten, die gesellschaftliche Ungleichheiten widerspiegeln können. Dadurch besteht die Gefahr, dass Vorurteile übernommen oder sogar verstärkt werden.
Wann handelt KI nun „gerecht“? Dann, wenn gleiche Fälle gleichbehandelt, unterschiedliche Ausgangslagen angemessen berücksichtigt und Diskriminierung systematisch verhindert werden.
Uns muss allen bewusst sein, dass Verzerrungen auf allen Ebenen des KI-Kreislaufs entstehen können: durch Designentscheidungen, durch unausgewogene oder unvollständige Daten und durch unkritische Nutzung. Je häufiger bestimmte Informationen ungeprüft geteilt oder übernommen werden, desto größer ist die Gefahr, dass Verzerrungen verstärkt werden und wichtige Kontexte verloren gehen.
Gerade deshalb braucht es im Umgang mit KI nicht nur technische Kompetenz, sondern auch kritische Reflexion und klare Verantwortung.
DER EU AI ACT: KURZ ZUSAMMENGEFASST
Auch der EU AI Act wurde in diesem Zusammenhang eingeordnet. Er schafft einen risikobasierten Rechtsrahmen für den Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der gesamten EU. Besonders relevant ist das für Unternehmen dort, wo Künstliche Intelligenz Einfluss auf Menschen, Chancen und Entscheidungen nimmt, etwa im Recruiting oder beim Zugang zu beruflichen Möglichkeiten.
Je stärker KI in solche Prozesse eingebunden wird, desto wichtiger werden Kontrolle, Nachvollziehbarkeit und menschliche Aufsicht. Der EU AI Act gibt dafür EU-weit geltende Standards vor und unterscheidet zwischen verschiedenen Risikostufen:

Für Unternehmen bedeutet das nicht nur neue Pflichten, sondern auch mehr Orientierung. Der Rechtsrahmen macht deutlicher, welche Anforderungen beim Einsatz von KI gelten und wo besondere Sorgfalt notwendig ist. Denn auch wenn KI-Ergebnisse objektiv erscheinen, beruhen sie stets auf menschlichen Annahmen, Entscheidungen und Verantwortlichkeiten.
GOOD-PRACTICE BEISPIELE: karriere.at & KNAPP
Nach dem fachlichen Überblick gaben Miriam Terner (karriere.at) und Markus Otruba (KNAPP) einen Blick hinter die Kulissen und zeigten, wie beide Unternehmen mit KI umgehen.
Miriam Terner von karriere.at zeigte anhand konkreter Beispiele, wie KI in der Arbeitswelt und insbesondere im Recruiting unterstützen kann, etwa bei der Erstellung von Jobinseraten oder bei einem Job Fit Scoring. Dabei wurde deutlich: Die entscheidende Frage ist nicht mehr nur, ob wir KI nutzen, sondern wie wir sie verantwortungsvoll nutzen. Scores, Matches und Empfehlungen wirken oft objektiv, basieren aber immer auf Kriterien, Gewichtungen, Annahmen und Datenqualität. Ein Matching Score von 54 Prozent ist daher kein neutrales Urteil, sondern ein Ergebnis, das kritisch eingeordnet werden muss. KI kann menschliche Entscheidungen unterstützen, sollte sie aber gerade dort, wo es um Bewerbende, berufliche Chancen und persönliche Lebensrealitäten geht, nicht ersetzen.
Markus Otruba von KNAPP ergänzte diesen Praxiseinblick und machte deutlich, warum AI mehr braucht als gute Prompts. KI bietet große Chancen für Effizienzsteigerung, bringt aber auch Risiken mit sich, etwa falsche oder verzerrte Ergebnisse, Datenschutzverletzungen, Informationsabfluss, Urheberrechtsfragen oder unklare Verantwortlichkeiten. Deshalb hat KNAPP eine globale AI Policy eingeführt, die für die gesamte Unternehmensgruppe gilt. Ziel ist nicht, KI zu verhindern, sondern eine sichere, ethische und rechtskonforme Nutzung zu ermöglichen. Im Zentrum stehen klare Zuständigkeiten, menschliche Aufsicht, Fairness, Nichtdiskriminierung, Transparenz, Erklärbarkeit, Accountability und ein bewusster Umgang mit Risiken.
Eine zentrale Botschaft aus beiden Praxiseinblicken lautete:
KI-Kompetenz bedeutet nicht nur, Tools bedienen zu können. Sie bedeutet vor allem, Ergebnisse kritisch einzuordnen, zu prüfen und verantwortungsvoll zu nutzen.
Unsere Frühstücksspende
Die Teilnehmenden aus Wien wurden auf Wunsch wieder mit einem Frühstückspaket versorgt. Für alle anderen Teilnehmenden wurde das Frühstück diesmal in eine Spende für den Verein ZARA umgewandelt. ZARA bietet Betroffenen von Rassismus sowie Betroffenen und Zeug:innen von Hass im Netz kostenlose Beratung an. Alle Meldungen werden systematisch dokumentiert, um Vorfälle und dahinterliegende Strukturen sichtbar zu machen.
Wenn Sie individuell unterstützen möchten, tun Sie das bitte hier: https://zara.or.at/spenden/
Der Sommer steht vor der Tür und trotzdem wagen wir schon einen kleinen Ausblick auf den Herbst: Das nächste Diversity Breakfast steht bereits in den Startlöchern. Am 13. Oktober 2026 widmen wir uns dem Thema „Von Pride zu Praxis: Allyship“. Die Anmeldung ist ab sofort möglich. Melden Sie sich bitte direkt hier unten für unseren Newsletter an, dann erinnern wir Sie zeitgerecht an alle kommenden Termine.
