Inklusive Toiletten am Arbeitsplatz. Was? Wie? Warum?

Beim Diversity Lunchbreak am 12. März 2026 stand ein Thema im Mittelpunkt, über das selten gesprochen wird, obwohl es alle betrifft: Toiletten am Arbeitsplatz. Gemeinsam mit unserem Lunch-Club diskutierten wir, wie Sanitäranlagen gestaltet sein müssen, damit sie für möglichst viele Menschen zugänglich und nutzbar sind und warum dieser Ort für Zugehörigkeit im Arbeitsalltag so entscheidend ist.

Im Einstiegsimpuls von Monika Zahnt (Diversity Think Tank) wurde deutlich: Der Zugang zu Toiletten ist ein grundlegendes Bedürfnis, das Beschäftigte mehrmals täglich in Anspruch nehmen. Gleichzeitig ist die Frage, wer welche Toilette nutzen darf, gesellschaftlich immer wieder Gegenstand kontroverser Debatten – insbesondere rund um geschlechtsneutrale bzw. Unisex-Toiletten.

Quiz: Mythos oder Fakt?

Um verbreitete Annahmen kritisch zu prüfen, wurden die Teilnehmenden zu einem Quiz eingeladen. Dabei zeigte sich, dass viele Diskussionen von Mythen geprägt sind, wie folgende Beispiele zeigen:

  • Fakt: Beschäftigte sehen den Zustand der Sanitäranlagen als einen Indikator dafür, wie sehr ein Unternehmen seine Mitarbeitenden wertschätzt.  Eine Studie von YouGov im Auftrag von Sodexo Deutschland (2025) zeigt einen klaren Zusammenhang zwischen Zufriedenheit von Mitarbeitenden und der Qualität der Sanitärbereiche.
  • Mythos: Unisex-Toiletten führen zu mehr Belästigungen und sexuellen Übergriffen am Arbeitsplatz. Dafür gibt es keine belastbaren Daten. Fachliteratur betont vielmehr, dass Übergriffe durch fehlende Sensibilisierung und strukturelle Prävention begünstigt werden, nicht durch inklusive Toiletten.
  • Fakt: Das größte Sicherheitsrisiko in Toiletten betrifft trans*, inter* und nicht-binäre Personen. Unter anderen verweist die EU-Grundrechteagentur (FRA) in ihren LGBTIQ-Erhebungen auf besonders hohe Diskriminierungs- und Gewalterfahrungen dieser Gruppen in öffentlichen Räumen hin.
  • Mythos: Die Umstellung auf Unisex-Toiletten erfordert eine komplette Neubauplanung und ist mit hohen Kosten verbunden. In vielen Fällen lassen sich inklusive Lösungen bereits mit einfachen Maßnahmen umsetzen – etwa durch Anpassung von Beschilderungen bei Einzeltoiletten.

Die Gestaltung von Sanitäranlagen ist auch rechtlich geregelt. Laut Arbeitsstättenverordnung (§15) muss zumindest eine Toilette barrierefrei erreichbar sein und nach den Grundsätzen barrierefreien Bauens gestaltet werden, sofern dies für Mitarbeitende mit Behinderung relevant ist.

Weitere Vorgaben betreffen unter anderem:

  • eine Toilette pro 15 Beschäftigte
  • geschlechtergetrennte Anlagen, wenn mindestens fünf Männer und fünf Frauen darauf angewiesen sind
  • hygienische Ausstattung, Lüftung und Beleuchtung
  • keine direkte Verbindung zu Arbeits- oder Aufenthaltsräumen

Diese Regelungen zeigen: Toiletten sind nicht nur Infrastruktur, sondern auch Teil eines sicheren und respektvollen Arbeitsumfelds.

Eine Marketagent-Befragung (2026, n=1000) zeigt ein differenziertes Bild:
Viele Menschen fühlen sich bei der Nutzung geschlechtsneutraler Toiletten unwohl. Besonders deutlich wird das bei den befragten Frauen, bei denen 71,5 % angaben, sich dabei der Nutzung von Unisex-Toiletten (eher) unwohl zu fühlen.

Gleichzeitig befürworten aber 53 % der Befragten deren Einführung, allerdings meist als zusätzliche Option neben bestehenden Frauen- und Herren-WCs.

Zudem zeigte sich, dass in der Wahrnehmung von geschlechtsneutralen Toilettenanlagen ganz unterschiedliche Vorteile wahrgenommen werden:

Interessant: Fast 40 % sehen keinen Vorteil in rein geschlechtergetrennten Toiletten.

Zugleich wurde im Austausch schnell klar: Viele Menschen nutzen bereits regelmäßig geschlechtsneutrale Toiletten, etwa in kleinen Betrieben oder in öffentlichen Verkehrsmitteln, oft ohne es bewusst wahrzunehmen. Nahezu alle Teilnehmenden bejahten die Frage, ob sie schon einmal eine Unisex-Toilette genutzt haben.

Ein zentraler Ansatz ist Inclusive Design, also Räume so zu gestalten, dass sie möglichst vielen Menschen ohne Sonderlösungen zugänglich sind.

Drei einfache Maßnahmen für mehr Inklusion bei Toiletten wurden im Lunchbreak diskutiert:

  • Einzeltoiletten neutral beschildern (z. B. „WC“ statt geschlechtsspezifischer Bezeichnung).
  • Piktogramme vereinfachen, etwa durch Symbole für Ausstattung statt Geschlecht.
  • Menstruationsprodukte und Mülleimer in allen Kabinen bereitstellen.

Inklusive Toiletten sind damit nicht nur eine bauliche Frage, sondern ein sichtbares Signal für Respekt, Sicherheit und Zugehörigkeit.

Im anschließenden Praxisbeitrag gab Josef Kreutz-Soxberger (JKU Linz) Einblick in die Einführung geschlechtsneutraler Toiletten am Campus. Anlass für die Entwicklung des Konzepts „Platz für alle“ waren unter anderem rechtliche Grundlagen wie das VfGH-Urteil (G77/2018-9) sowie europäische menschenrechtliche Empfehlungen.

Die Umsetzung erfolgte nutzenorientiert: Dort, wo mehr Toiletten vorhanden waren als gesetzlich erforderlich, wurden einzelne Anlagen zu geschlechtsneutralen Optionen umgewidmet.

Anfangs gab es Widerstand bis hin zu Vandalismus. Doch mit klarer Kommunikation, robusten Beschilderungen und etwas Zeit wurde aus der kontroversen Maßnahme ein selbstverständlicher Bestandteil eines inklusiven Campus.

Besonders einprägsam war seine Aussage, dass auf Toiletten nicht stehen sollte, wer hineingeht, sondern was darin zur Verfügung steht.

Mit seinen Ausführungen machte Josef deutlich, dass inklusivere Toilettenlösungen keine großen Umbauten oder hohen Budgets erfordern. Oft sind es vielmehr praxisnahe, einfache Maßnahmen, die bereits zu mehr Inklusion führen.

Vielen Dank an alle Teilnehmenden für die engagierte Diskussion und an Josef Kreutz-Soxberger für den praxisnahen Einblick.

Unsere Frühstücksspende

Die Teilnehmenden aus Wien wurden auf Wunsch wieder mit einem Frühstückspaket versorgt. Für alle anderen Teilnehmenden wurde das Frühstück diesmal in eine Spende für den Verein AMAZONE umgewandelt.

Der Verein Der Verein setzt sich für die Anliegen von Mädchen* und Frauen* sowie inter*, nicht-binären, trans* und agender Personen und somit für eine geschlechtergerechte Welt ein.

Wenn Sie individuell unterstützen möchten, tun Sie das bitte hier:

Verein AMAZONE
IBAN: AT15 2060 1000 0009 2601
BIC: SPBRAT2B
Verwendungszweck: Spende, Name, Geburtsdatum

Wir freuen uns auf weiteren Austausch bei unserem nächsten Event zum Thema „Das richtige Format zur richtigen Zeit: Wie Lernen rund um DEIB wirklich wirksam wird“ und laden Sie herzlich ein zu unserem Diversity Breakfast am 21. Mai 2026 ein. Die Anmeldung ist ab sofort möglich. Melden Sie sich bitte direkt hier unten für unseren Newsletter an, dann erinnern wir Sie zeitgerecht an alle kommenden Termine.

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